Grosser Traum bestechend klein

Titelhaus: TYIN Tegnestue Architects
Foto: Pasi Aalto

 

Ich habe einen Traum. Nein, keine Farm in Afrika. Und schon gar nicht – obwohl es sich bei diesem einen Traum tatsächlich um einen ganz profan materiellen handelt – keine Millionen im Lotto und keine fünf Monate Auszeit auf den Seychellen. Dieser eine sticht seit Jahren konstant aus allen anderen Träumen hervor. Dass er in Erfüllung geht, wird dadurch schon langsam existentiell und wird eines Tages mein Leben abrunden wie ein guter Schuss Cognac eine schmackhafte Sauce.

Um zur Sache zu kommen, irgendwann, und das darf auch schon ganz bald sein, will ich mein eigenes „Tiny Home“. Ein kleines Designobjekt, nach aussen hin am liebsten auf Wasser blickend und bestechend durch seine schlichte Holzfassade und seine grossen Fensterfronten, im Innern ein praktisches, kompaktes Bijou mit meiner eigenen Handschrift. Inspirationen gibt es viele, ich finde die „Sea Cabins“ in Manshausen, Norwegen unglaublich schön und habe selber schon zusammen mit meinem Partner das Leben auf kleinem Raum in den Cabanes de  Salagnac in Frankreich getestet.

 

Ich bin an sich kein Fan von kleinen Räumen. Glauben Sie mir, auf einem Segeltörn wäre ich diese eine Teilnehmerin, die alle einstimmig bereits im ersten Hafen absetzen und zurücklassen würden. Und in einem Lift möchten Sie mit mir schon gar nicht stecken bleiben. Insofern überrascht es mich selbst, dass mein Wunsch nach kleiner immer grösser wird.

Aber wie hat es mein zwölfjähriger Neffe per Zufall gestern in der Chaplin-Villa in Vevey so absolut treffend formuliert: „Ich möchte nicht in einer so grossen Villa wohnen, da müsste ich ja jeden Tag in alle Zimmer gehen um alle meine schönen Sachen zu sehen.“ Ich sage Ihnen, der kommt ganz nach seiner Tante! Denn genau das macht auch für mich den Reiz des Kleinen aus. In meinem Tiny Home erfasst mein Auge in einem Rundblick alles, was mir an Einrichtung und Accessoires wertvoll ist. Und schaffe ich etwas Neues an, muss aus Platzgründen etwas Altes weg. Kein Estrich, kein Keller, keine Einkaufsliste mit Dingen, die ich für das dritte und vierte Zimmer noch benötige. Ich finde diese Reduktion unglaublich erdend und beruhigend.

Und wenn es meinem Partner oder mir einmal doch zu eng wird, dann liegt ja vielleicht sogar ein zweites „Tiny Home“ drin. Eines mit einem wieder ganz anderen Interieur. Macht ja so grossen Spass, kleine Häuser funktional zu gestalten und einzurichten.